In Oberösterreich prägen 12.000 Hektar Streuobstflächen das Landschaftsbild. Aus den verschiedenen Obstsorten werden von alters her ausgezeichnete Schnäpse gebrannt. Obst in seiner veredelten Form als Edelbrand dient daher auch dem Erhalt der Kulturlandschaft. Besonders im Kommen sind die alten Obstsorten, die sortenrein gebrannt werden, wie etwa Kronprinz Rudolf, Gellerts Butterbirne, Clapps Liebling oder Berner Rosen.
Die Williams Birne ist das Leitprodukt jedes Edelbrenners. Neben Marillen und Kirschen gewinnen Zwetschken immer mehr an Bedeutung. Schon beim Einmaischen achten die Edelbrenner auf den Reifegrad, den Säuregehalt und die Temperatur des verwendeten Obstes. Denn verfahrenstechnisch optimierte Brenngeräte leisten zwar gute Arbeit, die Qualität eines Edelbrandes besteht in seinem wesentlichen Teil immer aus den natürlichen Vorgaben des Ausgangsproduktes, der Qualität des Obstes. Die Technik kann den Brennmeister nur dabei unterstützen, die Qualität des Ausgangsmaterials optimal zu erhalten. Besondere Spezialitäten werden etwa aus Eberesche oder Dirndln (der Kornelkirche) erzeugt. Obstschnaps wird weder gefärbt noch aromatisiert.
Oberösterreich ist dank seines Reichtums an diesem bodenständigen Rohstoff seit jeher ein Land der Schnapsbrenner. Gibt es im Herbst genug Äpfel, Birnen und Zwetschken, dann beginnt im Spätherbst das Brennen. Dazu muss der Brennkessel und die notwendigen Gerätschaften bereitgestellt und eine Meldung beim Finanzamt gemacht werden. Das Branntweinmonopol, das auch die Steuerleistungen regelt, geht auf Maria Theresia zurück und wurde von der Republik Österreich nach dem Ersten Weltkrieg übernommen. Sie erlaubt Bauern mit eigenen Obstwiesen die Erzeugung bis zu 300 l Obstbrand im Jahr.
Edelbrände, umgangssprachlich auch Schnaps genannt, sind alkoholische Flüssigkeiten, die zum menschlichen Genuss bestimmt sind.
Wer wann und wo als erster aus Wein oder Most durch Destillation, die Erhitzung und Kondensation Spirituosen (das lateinische Wort „spiritus“ bedeutet Geist) erzeugte, liegt im Dunkel der Geschichte. Auf jeden Fall war die Nutzung des Feuers für die Produktion von hochprozentigem Alkohol ebenso wichtig wie Kenntnisse der Töpferei. Diese Gefäße waren unentbehrlich zur Aufbewahrung der Früchte, genauso wie zum Auffangen der Obstsäfte. Feuer war notwendig, um die verschiedenen Substanzen einer Flüssigkeit voneinander zu trennen.
Das ursprünglich norddeutsche Wort „Schnaps“ stammt von „schnappen“ ab und bedeutet kurzer Schluck, Mund voll, ehe seine Bedeutung im 18. Jahrhundert auf den Branntwein eingeschränkt wurde. Ein beliebtes Kartenspiel heißt „Schnapsen“, es leitet sich von „ausschnapsen“, etwas „im Spiel ausmachen“, ab.
Oberösterreichs Edelbrenner gehören zur Weltspitze. Mehr als 1000 Medaillen eroberten die besten Schnapsbrenner Oberösterreichs in den vergangenen Jahren. Ein gutes Essen schließt mit einem Glas Edelbrand, das übrigens nur halb so viel Alkohol wie ein Achterl Wein hat und zusätzlich verdauungsfördernd wirkt. Der kulinarische Boom im Gefolge der gestiegenen Restaurant- und Weinkultur ebnete einer neuen Schnapskultur den Weg. Diese neuen Edelbrände sind Topprodukte und führen die Konsumenten in eine Welt der vielfältigen Düfte, der konzentrierten Aromen und des besten Geschmacks.
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