Oberösterreich Schmankerl aus dem Genussland

Bratl

Der Schweinsbraten zählt zu den traditionellen Gerichten der österreichischen, bayrischen und böhmischen Küche. Wesentlicher Bestandteil eines Bratls ist die Kruste. Ein guter Schweinsbraten braucht Zeit, einen Herd mit guter Hitze und einen erfahrenen Koch. Schon allein das Einschneiden des „Schwartls“ verlangt eine eigene Technik, viel Erfahrung und Geschick.

Traditionell sind auch die Gewürze. Kümmel, der als Glück bringend gilt, regt die Verdauung an. Knoblauch – der althochdeutsche Ausdruck „chlovolouch“ blieb in der mundartlichen Aussprache „Knofl“ erhalten – verleiht dem Bratl sein typisches Aroma.

Wesentlich sind auch die Beilagen, genannt die „Zuspeis“: Knödel zum Auftunken des Saftes, meist Semmel- oder Grießknödel. Sauerkraut oder warmer Krautsalat vollenden den Genuss.
Seit dem Mittelalter zählt der Schweinsbraten zu den wichtigen Festtagspeisen. Ob Alltagsspeise, Sonntagsbraten oder Festmenü, ein Bratl ist immer ein Genuss.

Da für ein „Bratl in der Rein“ meist ein großes Schulterstück ins Rohr kommt, bildet der Genuss meist ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem eine größere Runde gemeinsam genießt. Der Koch setzt bei dieser Gelegenheit seinen Ehrgeiz darein, als Beilage ein „Stöcklkraut“ zu servieren. Ein kleineres „Krauthäupl“ wird in Stücke – in „Stöckl“ – geschnitten, d. h. geviertelt oder je nach Größe in sechs Stücke zerteilt, der Strunk entfernt und in Salzwasser mit viel Kümmel gekocht. Die weich gekochten Weißkrautviertel kommen zum Bratl in die Rein, werden mit Saft übergossen und mitgebraten. Das „Bratl in der Rein“ wird im Oberösterreichischen sogar in einem Refrain besungen. Ein kalter Schweinsbraten mit Kren und Brot zu Bier oder Most ist eine beliebte Jausenvariante.

Während Kühe früher als Milchlieferanen oder Zugtiere dienten, wurden Schweine für die Fleischversorgung gehalten. Als Steuern noch in Form von Naturalleistungen eingezogen wurden, durfte ein Bauern zumindest ein Schwein behalten, daher kommt die Redewendung „Schwein haben“. Besaß ein Bauer mehrere Schweine, konnte er sie verkaufen und den Erlös daraus für Notzeiten zurücklegen, das „Sparschwein“ wird darauf zurückgeführt. Dass Schweine Glück bringen, daran glaubten schon unsere Vorfahren.

„Lichtmess“ am 2. Februar war früher der traditionelle Termin des Dienstbotenwechsels. Aus diesem Anlass veranstaltete der Bauer ein Lichtbratlessen. Das Festmahl bestand aus einem Bratl mit Krautsalat, Semmelknödeln und als Nachspeise einem Mehlkoch, einem süßen Brei mit Rosinen, Zimt und viel Zucker. Bratlgeiger waren vagabundierende Musikanten, die um ein Essen spielten – oft wird es weniger als ein Bratl gewesen sein. Ein Rabenbratl ist ein durchtriebenes, schlitzohriges weibliches Wesen, das es faustdick hinter den Ohren hat.

Beim „Bratlschießen“ wird vorher ausgemacht, dass der Verlierer beim Eisstockschießen im Gasthaus allen Mitspielern ein Bratl zahlen muss.

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