Von mild bis kräftig, von süß bis resch – Most gibt es in jeder gewünschten Geschmacksvariante. Most ist vergorener Apfel- oder Birnensaft und das Nationalgetränk der Oberösterreicher, die daher auch die ehrende Bezeichnung „Mostschädeln“ führen. In Oberösterreich führt der Most den Ehrentitel „Landessäure“. Man unterscheidet reinen „Apfelmost“ und reinen „Birnenmost“. Als „Mischling“ gilt ein gemischter Most aus Äpfeln und Birnen. Im Herbst wird der frisch gepresste Saft, der Süßmost, als besondere Spezialität getrunken.
Das Wort Most dürfte in der Zeit der Besetzung unserer Region durch die Römer entstanden sein. Es leitet sich vom lateinischen Wort „mustus“ ab, was so viel wie „frisch“ und „neu“ bedeutet. Die mittelhochdeutsche Bezeichnung lautete bereits Most. Als Haustrank ist Most den Bauern seit jeher unentbehrlich. Während der Erntearbeit stand stets ein Krug oder gar ein Lagl Most zum Durstlöschen bereit. Frauen tranken gewässerten Most, ebenso wie die Kinder, bei denen Most als Mittel galt, um ihr Heranwachsen zu fördern. Es war sogar die Meinung weit verbreitet, dass der Most bei den Menschen dieselbe Wirkung habe wie Hafer bei den Pferden, nämlich kräftigend und für die Gesundheit unumgänglich. Moderne Ernährungswissenschafter fanden heraus, dass Most die Leistungsfähigkeit der Menschen steigert und Krebs erregende Stoffe, vor allem im Geräucherten, abbaut.
Zur Obstmostgewinnung finden sich rund um die Bauernhöfe eigene Mostobstbäume. Der „Landlbirnmost“, nur aus den sogenannten Landlbirnen gepresst, nimmt hier eine besondere Stellung ein. Bekannt sind mehr als hundert alte Mostbirnsorten: Fraunbirn, Hoanlbirn, Kichlbrotbirn, Läuterbirn, Löderbirn, Tatznbirn, Wasserbirn oder Wödlbirn. Auch Mostäpfel sind keine „Brockapfl“, nämlich Essäpfel edler Sorte, sondern zeichnen sich durch ihre Säure aus, sind also nicht zum unmittelbaren Genuss geeignet. Auch diese Sortenbezeichnungen zeugen von langer Tradition: Holzäpfel, Remser, Sauzwiefläpfel, Griaßäpfel, Wiasling oder Wöberbartäpfel.
Gewonnen wird Most durch Pressen, genannt „mostln“, ein Ausdruck mit zweifacher Bedeutung, denn auch alle, die gerne Most trinken, mostln regelmäßig. In den großen Bauernhäusern gab es eigene Mostpressen mit hölzernen Spindeln und Göpelantrieb. In kleineren Betrieben geschah das Mostpressen mittels Moststessl, mit dem beim herbstlichen Mosten das Obst im Stoßgrander eingestampft wurde.
In vielen Bauernhäusern gab es ein eigenes Mostmäuerl, eine nischenartige Vertiefung zur kühlen Aufbewahrung des Haustrunks. Zu den mächtigsten Bauernhöfen Oberösterreichs zählen die Vierkanthöfe der Mostgegenden, in denen der Most mit höchster Qualität über Jahrhunderte gepflegt wurde.
Oberösterreich ist seit geraumer Zeit ein Mostland. Im Innviertel, bis 1799 bayrisch und daher ein Biertrinkerland, wurde der Most um 1840 eingeführt. Bis ins 18. Jahrhundert wurde in Oberösterreich Weinbau betrieben, erst im 19. Jahrhundert nahm Most an Beliebtheit zu. Durch die klimatisch hervorragenden Bedingungen dieser ehemaligen Weinbaugebiete, dazu zählen das Aschacher Becken, das Kremstal und das Gebiet um Traun, St. Florian und Enns, zählten diese Regionen bald zu den bevorzugten Mostobstgebieten. In guten Zeiten erzeugte ein „Mostbauer“ 500 und noch mehr Hektoliter.
Joseph Rysalek schrieb 1829: „Von Aschach abwärts bis Enns erstreckt sich das eigentliche Obstland; die Bäume scheinen unter der Last ihrer süßen Bürde zu erliegen.“Heute ist die Mostproduktion in allen vier Landesvierteln von außerordentlicher Qualität.
Die Streuobstlandwiesen prägten besonders bis 1938 die oberösterreichischen Landschaften. Durch die Mechanisierung der Landwirtschaft zwischen 1960 und 1980 kamen die landwirtschaftlichen Betriebe mit immer weniger Arbeitskräften aus. Der Eigenbedarf wurde geringer, das arbeitsintensive „Mostklauben“ zahlte sich nicht mehr aus. Erst die publikumswirksamen Mostkosten, die überall im Land veranstaltet werden, brachten dem Most neues Publikum. Für „Mostpipler“ entstanden Mostschänken, die auch Fruchtsäfte für die ganze Familie anbieten.
Most begleitete die Menschen auf ihrem gesamten Lebensweg. Nicht nur bei der Arbeit, auch bei Festen ist er unentbehrlich.
Franz Stelzhamer gedachte der Landessäure im „Hoamatg’sang“, das später zur Landeshymne von Oberösterreich erhoben wurde, in zwei Strophen:
Dein‘ Hitz is net z‘grimmi,
Net z’groaß ist dein Frost,
Ünser Traubn hoaßt Hopfn,
Ünsern Wein nennt ma Most.
Und zum Bier und zum Most
Schmeckt a kräftige Kost
Und die wächst alle Jahr,
Mit der Noat hat’s koan Gfahr.“
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