Zukunft braucht Wurzeln – Die Chancen für den ländlichen Raum durch Traditionelle Europäische Medizin und Heilkunde

 
Pressemeldung vom: 3. Oktober 2011
Thema: Zukunft braucht Wurzeln – Die Chancen für den ländlichen Raum durch Traditionelle Europäische Medizin und Heilkunde
Teilnehmer: Landesrat Max Hiegelsberger
Dr. Martin Spinka, Ärztlicher Leiter Kurbetriebe d. Marienschwestern
Dr. Karin Buchart, Begründerin und Geschäftsführerrin TEH-Traditionelle Europäische Heilkunde
Gabi Wild-Obermayr, Gemüsehof Neiderneukirchen
Mag. Helmut Eiselsberg, Präsident Ökosoziales Forum OÖ
Zukunft braucht Wurzeln
Nur wer Wurzeln hat kann wachsen!

Die Suche nach den Wurzeln und der eigenen Identität ist auch die Suche nach Regionalität und Heimat. Das Thema REGIONALITÄT ist in den letzten 6 Jahren nicht nur bei den Lebensmitteln in der Motivationspyramide ganz nach oben aufgestiegen. Auf die Frage, welche Argumente für die Lebensmittel in Zukunft wichtiger werden, wurden für die Regionalität folgende Werte gemessen: 2006: 63 %, 2008: 75 %, 2011: 81 % (Quelle Keyquest)

"Traditionelle Europäische Heilmittel treffen den Nerv der Zeit und entsprechen unserem oberösterreichischen Konzept der Produktion und Nutzung hochwertiger heimischer Produkte und Lebensmittel", betont Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger. Dieses alte Wissen dürfe nicht verloren gehen. Die Landwirtschaft leistet hier seit jeher einen wichtigen Beitrag. "Die traditionellen bunten Bauerngärten sind eine Mixtur aus Blumen, Kräutern und Gemüse. Viele von ihnen werden seit jeher als Heilpflanzen eingesetzt. Diesem wertvollen Wissen wurde mit der Traditionellen Europäischen Heilkunde ein Name gegeben, damit ihre Wirkung und Rezepte auch weiteren Generationen erhalten bleiben", so Hiegelsberger.

Nicht nur geschmacklich, auch in der Medizin gibt es den Wunsch vieler Menschen, traditionelles, regionales Heilwissen - in Ergänzung zur Schulmedizin - verstärkt zu nützen. Wie groß das Interesse dafür ist, zeigt, dass sich für den Vortragsabend des Ökosozialen Forum Oberösterreich am 3. Oktober 2011 bereits 360 Personen angemeldet haben.
Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach verwenden rund 70 % der Bevölkerung im mitteleuropäischen Raum Naturheilmittel, wobei wiederum heimischen Pflanzen mit 87 % gegenüber exotischen Gewächsen der Vorzug gegeben wird. Haupteinsatzgebiete sind Erkältungen, leichte Grippe, Magen- und Verdauungsbeschwerden oder etwa auch Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit.



Für den Ländlichen Raum ergeben sich folgende Chancen:

  • 1.„Lasst Eure Nahrungsmittel Eure Heilmittel und Eure Heilmittel eure Nahrungsmittel sein“

    Dieser Satz des griechischen Arztes Hippokrates ist heute aktueller denn je. Er ist auch für die Zukunft wichtig. Gabi Wild-Obermayr wird am Beispiel der Gemüseapotheke zeigen, wie unsere Lebensmittel als Heilmittel nach innen und von außen angewendet werden können.
    "Wenn wir dieses traditionelle Wissen der Generationen, das meist von den Bäuerinnen gelebt und angewendet wurde, erfassen, dokumentieren, leben und an die Konsument/innen weitergeben, dann erhalten unsere Lebensmittel eine neue, zusätzliche Bedeutung", ist Wild-Obermayr überzeugt.
    Hiegelsberger verweist dabei auch auf den wirtschaftlichen Faktor: "Damit wird die Wertschätzung der regionalen, saisonalen, bäuerlichen Lebensmittel und auch die Wertschöpfung erhöht."
    Hiegelsberger verweist in dem Zusammenhang auch auf den großen Erfolg der Mühlviertler Bergkräuter.

  • 2. Vorsorgen ist besser als Heilen
    Dieses traditionelle Wissen der Bäuerinnen, die Erfahrungen im ländlichen Raum kann nicht nur zur Heilung beitragen bzw. diese unterstützen, sondern auch zum Wohlbefinden und zur Neugestaltung von Lebensstilen beitragen.
    Vorsorge und Prävention sind Stiefkinder der Gesundheits- und Sozialpolitik (Anteil der Ausgaben für Vorsorge an den gesamten Gesundheits- und Sozialausgeben 1-2 %). Wir müssen den Hebel bei den Lebensstilen ansetzen. Balance und Nachhaltigkeit lautet das Gebot der Stunde.


  • 3. Neue Produkte – Neue Märkte

    Karin Buchart aus Unken/Salzburg hat in ihrer Dissertation das alte Wissen der Pinzgauer Bäuerinnen erhoben. Sie hat - und das ist ihre großartige Leistung – dieses Wissen mit dem Arzneimittelhandbuch überlagert. Jetzt erzeugt ihr Verein TEH – Traditionelle Europäische Heilkunde Produkte, die die Schulmedizin wirklich gut ergänzen können.
    Ihre Leistung wird dadurch besonders deutlich, dass dieses erhobene Wissen 2010 von der österreichischen UNESCO-Kommission zum immateriellen Kulturerbe erhoben wurde. Dieses Vorbild sollte auch in Oberösterreich als Chancenpotenzial in den LEADER-Regionen erkannt werden.

  • 4. Neue Dienstleistungen – Neue touristische Chancen

    Die Kneipp-Kurbetriebe der Marienschwestern (Aspach - Bad Kreuzen - Bad Mühllacken) setzen einen Schwerpunkt auf die Traditionelle Europäische Medizin.
    Aus der Sicht des ländlichen Raumes ist diese Initiative deshalb so wichtig,
    • weil sie zu diesem einzigartigen Angebot neue Gästeschichten in die Region bringt,
    • weil diese Gäste dadurch auch die Schönheiten und die positiven Wirkungen der Landschaft und der Menschen kennenlernen und wahrscheinlich dann öfter in diese Region kommen.
    • weil diese Effekte die regionale Wirtschaft beleben und stärken.



Werte geben Stärke

Damit diese Strategie umgesetzt werden kann, muss das Bewusstsein über die Bedeutung des traditionellen Wissens gestärkt werden. Tradition muss einen neuen Stellenwert in der Moderne gewinnen.
Damit wird auch das Selbstwertgefühl im ländlichen Raum gestärkt.
Weiters soll die Kooperation mit fachlich kompetenten Organisationen und Unternehmen gesucht werden.



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