Das Mühlviertel auf dem Weg zur Bioregion

 
Pressemeldung vom: 17. Mai 2010
Ort: Linz
Thema: Das Mühlviertel auf dem Weg zur Bioregion

Das Mühlviertel als eine der am deutlichsten von der Landwirtschaft geprägten Regionen Oberösterreichs hat sich in den letzten Jahrzehnten stetig in Richtung einer führenden Rolle im Bereich Bio entwickelt.

Heute ist Bio in der Region ein wesentlicher Faktor, was eindrucksvolle Zahlen wie 52,8 % aller landwirtschaftlichen Biobetriebe in Oberösterreich, 47 Betriebe, die Urlaub am Biobauernhof anbieten, und 42 Landes- oder öffentliche Küchen mit Bioangebot verdeutlichen. Mit dem Projekt BioRegion Mühlviertel soll ein Entwicklungsprozess des gesamten Mühlviertels in Gang gebracht werden, mit dem Ziel, das Thema Bio nachhaltig mit der Region Mühlviertel zu verbinden.

Am 07. Juni 2010 findet in Reichenau im Mühlkreis, am Biogasthof „Roadlhof“, Wintersdorf 17, 4204 Reichenau, um 19:30 Uhr die öffentliche Auftaktveranstaltung des Projekts „Das Mühlviertel auf dem Weg zur Bioregion“ statt. Bei dieser Veranstaltung wird neben einem Referenten, der mit dem Bereich Bio und Regionalentwicklung verwurzelt ist, auch die Bevölkerung mittels interaktiver Elemente wie dem „Mühlviertel Cafe“, bei dem am Thema BioRegion Mühlviertel zu verschiedenen Entwicklungsbereichen gearbeitet wird, eingebunden.
Diese Einbindung der Betroffenen zieht sich durch das gesamte Konzept des Projekts, wobei die Sektoren Landwirtschaft, Wirtschaft und Tourismus übergreifend bearbeitet werden sollen.

„Eine breite Trägerschaft ist für dieses Projekt durch die flächendeckenden Strukturen und die ausgezeichnete Kooperation der Leader-Regionen des Mühlviertels und der EUREGIO bayrischer wald – böhmerwald/Regionalmanagement Mühlviertel gelungen. Wir haben jetzt die einmalige Chance, die BioRegion Mühlviertel zu entwickeln“, sagt Obfrau LAbg. KommR. Gabriele Lackner-Strauss.

Diese Entwicklung wird bis Ende 2011 durch die Durchführung eines dynamischen Entwicklungsprozesses erfolgen, wobei die Betroffenen aus allen Sektoren und Stufen der regionalen Wertschöpfungsketten am Prozess beteiligt werden sollen.

Ziel des Entwicklungsprozesses ist es, ein einheitliches Bild „Was ist die BioRegion Mühlviertel?“ zu schaffen, daraus Kriterien und in der Folge Projekte zu entwickeln, die der Region eine höhere Wertschöpfung und damit eine positive wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung sichern.

Ein weiteres langfristiges Ziel des Entwicklungsprozesses ist es, klare Identifikationsmerkmale der BioRegion Mühlviertel zu schaffen und die BioRegion langfristig als integrative Organisation zu etablieren.

Als einer der ersten Schritte wird neben direkten Gesprächen mit Personen, die im Bereich Bio im Mühlviertel von wesentlicher Bedeutung sind, eine aktivierende Befragung online durchgeführt. Dabei hat jeder Interessierte die Möglichkeit, sich mit seiner Meinung zu Themen der Bioregion einzubringen und zudem wird das Interesse an einer aktiven Mitarbeit im Projekt bei entsprechenden Veranstaltungen geweckt.

Für Herbst 2010 sind Bio-Thementage in allen Regionen des Mühlviertels geplant, in denen konkret an der Entwicklung der BioRegion Mühlviertel gearbeitet werden wird. Dazu bedarf es der Beteiligung von Personen aus den verschiedensten Bereichen, um ein effizientes Netzwerk zwischen Urproduktion, Verarbeitungsbetrieben, regionalem Handel und den Menschen im Mühlviertel zu erreichen.

Aus diesen Bio-Thementagen wird ein Masterplan hervorgehen, in dem die Entstehung dieses mühlviertelweiten, sektorübergreifenden biologischen Netzwerkes sichtbar wird und konkrete Umsetzungsschritte definiert werden.

„Sobald konkrete Umsetzungsprojekte aus den Arbeitsgruppen hervorgehen, werden diese unverzüglich in Angriff genommen, um neben dem Entwicklungsprozess an sich schon in der Erstphase der Bioregion erlebbaren Mehrwert für die Region zu schaffen“ merkt LAbg. Georg Ecker an.

Langfristig sollten aus dem Projekt BioRegion Mühlviertel Projekte hervorgehen, die das Mühlviertel als Gesamtheit mit dem Begriff Bio verbinden und durch ein geschlossenes Auftreten der Region nach innen und außen eine gesteigerte Wertschöpfung und eine nachhaltige Entwicklung des Mühlviertels als Lebensregion sichern.

„Um diese ehrgeizigen Ziele erreichen zu können, ist ein zentrales Thema des Entwicklungsprozesses die Bewusstseinsbildung der Menschen im Mühlviertel. Die Bevölkerung muss sich bewusst werden, dass sie in einer Region mit gewaltigen Ressourcen lebt. Wenn diese Ressourcen entsprechend nachhaltig verwendet werden, ist dem Mühlviertel eine positive Zukunft als Bioregion sicher“, sagt der Sprecher der BioRegion Mühlviertel, Obmann Bgm. Albert Stürmer.

Zurzeit gibt es im Mühlviertel rd. 2100 landwirtschaftliche Biobetriebe, das sind mehr als die Hälfte der gesamten Biobetriebe in Oberösterreich. Diese sind in verschiedensten Produktionsbereichen (wie z.B. Eier, Fisch, Honig, Ziegenprodukte, etc.) tätig, wobei der Produktionsschwerpunkt in der Rinderhaltung – Milchwirtschaft bzw. Mutterkuhhaltung mit Jungrinderproduktion liegt.

Schon vor Jahren haben auch einige Pioniere im Bereich der Wirtschaft die Zeichen der Zeit erkannt und ihren Betrieb nach den biologischen Produktionskriterien umgestellt. Die Biobäckerei Mauracher, Mühlviertler Alm Biofleisch, Biosaat Anreit, Bioschälmühle Nestelberger, Mühlviertler Bergkräutergenossenschaft, u.a. setzen seit Jahren ihren betrieblichen Schwerpunkt in der Be- und Verarbeitung von biologischen Produkten. Zudem sind eine große Anzahl von bäuerlichen Betrieben im Mühlviertel tätig, die sich auf die direkte Vermarktung ihrer Qualitätsprodukte spezialisiert haben. Im Jahr 2002 wurde die erste Bioschule Österreichs in der landwirtschaftlichen Fachschule Schlägl gegründet, welche sich nun zum Bio-Kompetenzzentrum entwickelt.

Bereits in einigen Vorstudien und strategischen Projekten wurde an dieser Thematik
intensiv gearbeitet und auch festgestellt, dass aufgrund der folgenden vorgegebenen Mindestkriterien eine Umsetzung realistisch ist und eine breite Trägerschaft möglich sein könnte:

  • eine klare und nachvollziehbare Abgrenzung der Region
  • der Anteil der Biobetriebe in der Region muss über dem nationalen Durchschnitt liegen
  • keine Freisetzung von GVO’s (Gentechnisch veränderter Organismus) in der Region zum Zeitpunkt der Einrichtung einer Bioregion
  • Aufbau und Weiterentwicklung einer eigenständigen Organisation bzw. Einbettung in eine bestehende Organisationsstruktur
  • Verfassung eines umfassenden Regionskonzeptes anhand des Modells Bioregion.
    (Groier, M., Schermer, M.: „Bioregionen als Modell für nachhaltige regionale Entwicklung“, Wien/Innsbruck 2007)


Diese Kriterien sind in der Region Mühlviertel zur Gänze gegeben, daher ist die Grundlage zur Durchführung des Entwicklungsprozesses zur BioRegion Mühlviertel vorhanden.



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